WINTERZAUBER
FÜR ALLE SINNE

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Der Schnee glitzert, die Luft ist klar: Los geht es an die frische Winterluft! Wer schon einmal einen Wintertag im  Schwäbisch-Fränkischen Wald verbracht hat, wird die Erlebnisse dort nie vergessen. Wen es eher zur Kultur zieht, der sollte sich auf den Weg nach Gschwend zum Musikwinter machen.

UNTERWEGS IM WALD-WINTER

Her mit der dicken Winterjacke, Mütze, Schal, Handschuhe übergezogen, warme Schuhe an die Füße geschnürt –  und los geht es in den kalten, klaren Winter! Wer an frostigen Tagen die gute Luft an der Natur dem Sofa vorzieht,  der kann etwas erleben im Landschaftsraum Schwäbischer Wald rund um Welzheim und Murrhardt, in dessen  Gebiet auch der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald liegt.

Foto: Waldentdecker

Wenn sich während der kalten Jahreszeit die Natur in ihren Winterschlaf begibt, Ruhe einkehrt auf den Wiesen, Feldern und in den Wäldern, sich glitzernder Raureif und  Schnee auf die Landschaft legen, dann wird es für Barbara Schunter erst so richtig toll im Schwäbischen Wald. „Gibt  es etwas Schöneres, als dick eingepackt durch die Kälte zu stapfen und anschließend in einer urigen, warmen Wirtschaft einzukehren und dort etwas Leckeres zu essen und zu trinken?“, schwärmt die Geschäftsführerin der Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald. Denn so tolle und viele Wanderungen und Touren man im Sommer dort unternehmen kann: Für sie hat auch der Winter etwas besonders Reizvolles. Eine besondere Tour sei etwa der fünf Stunden lange Rundwanderweg um die Klingenmühle, bei der man bergauf und bergab auf teilweise  schmalen Pfaden quer durch den Wald marschiert. Höhepunkte dieser Tour sind ihrer Ansicht nach die beiden von  Edenbach und Wieslauf gespeisten Wasserfälle, die unterhalb des Viadukts beim „Erfahrungsfeld der Sinne“ in die Tiefe stürzen und deren gefrorenes Wasser im Winter ganz besondere Bildmotive bietet. „Diese fantastischen  Eiszapfen-Formationen, die dann dort zu sehen sind, sind einfach großartig“, sagt Barbara Schunter. Allerdings warnt sie auch davor, bei solcherlei Touren allzu leichtsinnig zu sein. „Die Touren sind wunderschön, weil man die absolute Ruhe und beste klare Luft genießen kann. Aber man sollte schon auch trittsicher sein und aufpassen, denn im Winter sind die Wege meist gefroren und voller Schnee und Eis“, sagt sie.

Foto: Waldentdecker

Überhaupt ist dieser Wald, der sich rund um Mainhardt im Norden, Gschwend im Osten, Alfdorf im Süden und  Aspach im Westen in die Landschaft schmiegt, etwas ganz Besonderes. Mit einer Fläche von rund 650  Quadratkilometern ist es das größte zusammenhängende Waldgebiet Württembergs, das als Mischwald gleich in  mehreren Grüntönen leuchtet. Geologisch bedingt finden sich hier auf sehr engem Raum zudem die verschiedensten Landschaftsformationen: Neben Auenwäldern liegen Feuchtwiesen, Klingen, Schluchten, dunkle Wälder und  bergiges Gelände. Und so ist es auch kein Wunder, dass es hier mit 34 zertifizierten Naturparkführern die höchste  Dichte dieser ausgebildeten Führer gibt. Diese Experten lassen sich auch während der kalten Jahreszeit so einiges  einfallen, um die Menschen für die Natur und die Landschaft zu begeistern.

Einer dieser Naturparkführer ist Walter  Hieber. Er bietet pro Jahr rund 200 Touren und Veranstaltungen an und ist im Winter am liebsten mit  Schneeschuhen unterwegs. „Im Winter über schneebedeckte, glitzernde Felder oder bergauf, bergab durch Täler und  Wälder auf Hügel und Anhöhen zu wandern und dabei die schöne Aussicht zu genießen – das ist doch etwas  Wunderbares“, schwärmt Walter Hieber und widerspricht auch gleich der irrigen Annahme, dass Schneeschuhwandern nur etwas für Geübte sei. „Wenn man einmal den Dreh heraus hat, ist das gar kein Problem. Außerdem biete ich ja verschiedene Touren an, die man je nach Kondition auswählen kann: von der drei Kilometer  langen Anfängerrunde bis zur zehn Kilometer langen Tour, bei der man gehörig ins Schwitzen kommt.“ Auch für die  Verköstigung in den Pausen zwischendurch sorgt der Naturparkführer mit einem SpezialSchneeschuh-Vesper und  Punsch oder auch einmal mit einem Schnäpschen oder Glühwein.

Foto: Waldentdecker

 

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Für Walter Hieber sind es gleich mehrere Dinge, die das Besondere am Winter im Schwäbisch-Fränkischen Wald  ausmachen. Gemeinsam mit seinen Naturparkführer-Kollegen bietet er Touren zu verschiedenen Themen an, die  entweder für ganz Sportliche geeignet sind oder eher für Familien mit Kindern. Dazu gehören etwa die Wanderungen rund um die Raunächte, in denen allerlei Geister und Dämonen umhergehen sollen und in denen sich nach dem Volksglauben die stürmischen Mächte der Mittwinterzeit nach und nach zurückziehen, ehe sie in der  Nacht auf den 6. Januar zur Ruhe kommen. „Bei den Raunacht-Wanderungen erzähle ich alte Geschichten, Sagen  und Bräuche, berichte von Orakeln und Geheimnissen und stelle an bestimmten Stellen geheimnisvolle Lichter auf.  Das sind für die Kinder immer ganz tolle Erlebnisse“, sagt er. Oder die tierischen Winterwanderungen, bei denen  Krippen im Wald aufgestellt werden und die Kinder etwas zu staunen haben. „Solche Touren und Erlebnisse machen für mich den Winter hier aus!“

VERANSTALTUNGEN UND HÖHEPUNKTE IM WINTER

Etwa zweistündige Raunacht-Wanderungen mit Sagen und Bräuchen bietet der Naturparkführer Walter Hieber am Donnerstag, 26. Dezember 2019, rund um den Ebnisee sowie am Freitag, 27. Dezember 2019, in Welzheim an. www.waldentdecker.de

Mit Spiel, Sport und Spaß für die ganze Familie rückt die Stadt Murrhardt beim „Winterwald in Murrhardt“ dem Winterspeck zu Leibe, und zwar am Freitag, 3. Januar 2020.

Die Schwäbische Waldfee ist die Markenbotschafterin des Landschaftsraums. Ihr zu Ehren gibt es seit einigen Monaten nun auch vier „Feenspuren-Wanderwege“, die offiziell im Frühjahr 2020 als Premium-Wanderwege  eingeweiht werden sollen. Konkret sind das Römerwald und Dreischluchten rund um Welzheim sowie Waldklingen  und Felsenmeer rund um Murrhardt.

Den ersten Weihnachtsmarkt im Schwäbisch-Fränkischen Wald gibt es am Wochenende 16. / 17. November 2019 im Spiegelberger Ortsteil Jux. Seit 1989 gibt es diesen Markt, bei dem man an rund fünfzig Ständen kunsthandwerkliche Produkte kaufen kann, die es sonst in keinen Geschäften gibt.

Nur alle zwei Jahre, nämlich  jeweils in ungeraden Jahren, trifft man sich beim Historischen Weihnachtsmarkt im  Spiegelberger Ortsteil Groß-Höchberg. Dieses Jahr öffnen die Buden am Wochenende 7. / 8. Dezember 2019. www.weihnachtsmaerkte-in-deutschland.de

Stimmungsvolles Adventsambiente rund um die alte Glattenzainbachmühle in Murrhardt-Kirchenkirnberg gibt es  am Wochenende 14. / 15. Dezember 2019. Hier gibt es Lesungen und Führungen in der Mühle sowie tausend Lichter und einen Gedichtewald. www.murrhardt.de

Foto: Mirjam Knickriem

HOCHKARÄTIGE KULTUR IN GSCHWEND

Foto: Matthias Bothor

Wenn der Regisseur und Filmemacher Martin Mühleis aus dem kleinen Dörfchen Gschwend bei Murrhardt an die  Zeit um 1986 zurückdenkt, kommt er ins Schwärmen. „Es ist schon toll, wie sich das alles entwickelt hat und wie  sehr die Menschen hier von Anbeginn an das Bilderhaus und den Gschwender Musikwinter angenommen haben“,  erinnert sich der Initiator und Macher des Kultur- und Kunstvereins „bilderhaus e. V.“. Mühleis war es, der damals  gemeinsam mit einigen Mitstreitern das alte Gebäude Brunnengässle 4 vor dem Abriss bewahrte und ein  künstlerisches Experiment wagte. Doch seine Risikobereitschaft zahlte sich aus: Bereits ein Jahr später, im Herbst  1987, ging der erste Gschwender Musikwinter mit Lesungen, Podiumsdiskussionen und Konzerten über die Bühne. Heute ist die Kulturreihe, die in der Regel jeweils am letzten Oktober-Wochenende startet und bis Ende März knapp  40 Veranstaltungen bietet, nicht mehr aus dem kulturellen Leben der Region wegzudenken. Internationale Künstler  und Weltstars wie die Mitglieder des Fauré-Quartetts, der Trompeter Ludwig Güttler oder die Klarinettistin Sabine  Meyer konzertierten hier ebenso wie Jazz-Stars aus aller Welt. „Teilweise bestellen die Leute schon im Sommer ihre  Karten und Abonnements, ohne überhaupt das Programm zu kennen. Das ist schon eine schöne und wichtige  Wertschätzung unserer Arbeit“, betont Mühleis.

Foto: premiertone

Auch in der Reihe „Literarisches“ kamen seit der Gründung große Literaturinterpreten und Schauspieler in das  beschauliche Dörfchen: Rosemarie Fendel etwa und Walter Sittler, Uwe Ochsenknecht und Suzanne von Borsody.  „Unsere Künstler fühlen sich in der heimeligen und intimen Atmosphäre sehr wohl“, erzählt Mühleis. Das gelte auch  für die „rendezvous“-Veranstaltungen, bei denen in jeder Saison zu einem gesellschaftsrelevanten Thema  interessante Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft eingeladen werden. In dieser Saison  wird das Thema „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Über Verunsicherung und Zuversicht“ beleuchtet  und dabei der Frage nachgegangen, inwieweit die geäußerte Verunsicherung gerechtfertigt ist und wie interessante  Lösungsansätze für die Krisen unserer Zeit aussehen könnten. Das Thema der Literatur-Reihe lautet in diesem  Winter „Das andere Amerika. Die USA und ihre Literatur“, zu dem unter anderem der TV-Star Christian Brückner gemeinsam mit dem Lone Wolf Trio zu Gast sein wird. Dass es den Gschwender Musikwinter auch nach 33 Jahren  überhaupt noch gibt, ist zum einen dem in der Künstlerszene bestens vernetzten Martin Mühleis zu verdanken –  aber auch seinem Team. „Wir haben einen treuen Stamm von Helfern, die das alles stemmen. Keiner verdient daran, alle machen das ehrenamtlich“, erzählt er. Dadurch würden die Kosten minimiert, die Einnahmen wiederum  ergeben sich aus den Eintrittsgeldern, durch Spenden und durch Fördermittel des Landes. Für Mühleis ist der Musikwinter aber nicht nur wegen seiner Künstler etwas Besonderes; auch die drei Aufführungsorte sind mit dem  Bilderhaus, der renovierten Gemeindehalle und vor allem der evangelischen Kirche mit ihrem extrem hohen  Holzanteil und einer fantastischen Akustik außergewöhnlich. „Der Star-Geiger Gidon Kremer spielte damals hier  erstmals in seiner Karriere sämtliche sechs Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach live“,  erinnert sich Martin Mühleis. „Das war wirklich ein unvergessliches Erlebnis!“
Mehr Informationen und Karten gibt es unter: www.bilderhaus.de

 

 

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