GINSTR –
EINE HOCHPROZENTIGE ERFOLGSSTORY

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Gestatten, Markus Escher, 27, geboren in Waiblingen, wohnhaft in Schwaikheim, BWL-Student – und eine ganz  außergewöhnliche „Schnapsdrossel“. Pardon, das ist ganz und gar nicht despektierlich gemeint, sondern im Gegenteil voller Hochachtung. Der Destillateur und sein Kumpel Alexander Franke sind die Macher von GINSTR.  Hinter der Stuttgarter Marke verbirgt sich einer der weltbesten Gins. Mit Include hat Escher einen „gezwitschert“, selbstverständlich nur verbal.

 

Herr Escher, Sie werden mit Preisen geradezu überhäuft. GINSTR wurde unter anderem als bester Gin der Welt in der Kategorie „Gin & Tonic“ prämiert. Im Januar wurden Sie zudem in Hongkong ausgezeichnet. Wir nehmen an, dass Sie die Auszeichnungen als angemessen erachten?
Absolut. Wir fertigen im ganz, ganz kleinen Maßstab und durch erlesene Grundprodukt-Zutaten können wir ein  qualitativ sehr hochwertiges Produkt herstellen. Damit heben wir uns ab, selbst von großen Konzernen. Die Preise  haben wir dennoch nie erwartet. Erst vor fünf Jahren hatten wir die Grundidee, fast drei Jahre haben wir am Rezept  gefeilt. Im Dezember 2016 haben wir die erste Jahresproduktion, 711 Flaschen, auf den Markt gebracht. Wir  dachten, das reicht für ein Jahr. Ein bisschen Verkauf an Freunde, Weinkunden, an die Stuttgarter Barszene. Aber  innerhalb von fünf Tagen waren wir ausverkauft. Seitdem sind wir nur noch am Machen. Seit den Auszeichnungen,  der IWCS-Preis ist weltweit die höchste Ehrung, geht es steil bergauf.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Einerseits die Qualität. Wir versuchen, das Beste aus dem Produkt herauszuholen. Zum Beispiel durch vierfaches  Brennen. Und mittels Zutaten. Wir haben nie gefragt, wo wir die billigsten Zutaten wie Wacholderbeeren oder  Zitronen, sondern wo wir die besten Ingredienzen herbekommen. Die meisten Botanicals wie Gewürze kaufen wir in  der Stuttgarter Markthalle, Limetten, Orangen und Zitronen auf dem Großmarkt. Unseren Gin verfeinern wir mit  Cannstatter Mineralwasser. Das alles schlägt sich im Geschmack nieder. Für uns machen wir den perfekten Gin. Das hatte seinen Ursprung darin, dass wir nie Geld damit verdienen wollten. Wir haben das aus einem Hobby heraus  gemacht.

Aber Wacholder wächst nicht in Stuttgart, oder doch?
Nein. Er stammt aus unserem familiengeführten Weingut. Wir ernten einen Teil der Beeren auf unserer Rebfläche in Korb. Unser Weingut hat zudem weitere Rebflächen. Sie stellen GINSTR trotzdem auf Stuttgart ab. Das Etikett zeigt die Skyline samt Fernsehturm, STR ist der Flughafencode. Heimatverbundenheit ist sehr wichtig. München hat  einen eigenen Gin. Hamburg auch. GINSTR ist unsere Liebeserklärung an Stuttgart, die Stadt, wo wir früher wie  heute Party machen. Selbst unsere Fässer tragen waschechte Stuttgarter Namen. Das erste GINSTR-Fass nannten  wir Killesberg. Die Werbung spiegelt wider, was wir leben und für was wir stehen.

Aber „Mutterstadt“ Stuttgart …
… ist ein Synonym, so wie man auch „Kessel“ sagt. In der Rap-Szene heißt die Landeshauptstadt so, seit die Band  Kolchose um Max Herre sie so nannte. Alexander ist seit Jahren in der Hip-Hop-Szene unterwegs.

Sie scheinen stark in der Region verwurzelt zu sein?
Ich bin hier geboren. Ich möchte nie wegziehen. Ich bin schon sehr heimatverbunden, weil ich auch die Umgebung  mag. Das Leben auf dem Weingut gefällt mir sehr gut. Es macht einfach Spaß mit den Kunden und Gästen. Deshalb  müssen alle Produkte einen Bezug zur Region haben.

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Meine Arbeitsstunden zähle ich aber nicht. Es macht einfach Spaß.

Wie auch Ihre Marke „WILD GIN“. Machen Sie sich selbst Konkurrenz?
Nein, gar nicht. Beide Gins haben völlig unterschiedliche Geschmacksbilder. Der WILD GIN ist sehr kräuterlastig  und alle Kräuter kommen aus dem Weinberg, zum Beispiel Brennnessel. GINSTR ist sehr floral, sehr fruchtig, mit  Granatapfelkernen und Rosmarin. Der WILD GIN wird auch nur einmal pro Jahr hergestellt. Wie Wein.

Warum ist er nicht so verbreitet wie GINSTR?
Jeder Jahrgang ist limitiert auf 1.200 Flaschen, da wir die Zutaten einmal im Jahr ernten. Diese begrenzte Menge  muss über das Jahr reichen. Anfangs haben wir viel Werbung und Verkostungen gemacht. Mittlerweile hat er seine  Liebhaber gefunden und ist ein Selbstläufer.

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Sie konzentrieren sich auf die Brennerei, mit dem Weingut haben Sie nichts am Hut?
Das Weingut ist ein Familienunternehmen, wo letztlich jeder jedem hilft. Meine Großeltern haben vor knapp 50  Jahren als Mischunternehmen damit angefangen, mit einem Weinberg und dem „Besa“. Meine Eltern haben sich  dann auf Qualitätsweine konzentriert. Mittlerweile haben wir 16 Hektar Anbaufläche. Mein Bruder, der Weinbau  gelernt hat, macht den Ausbau. Die Brennerei wurde etwas stiefmütterlich behandelt, bis ich diesen Bereich übernommen habe.

Welche Rolle spielte hierbei Ihr Opa?
Er hat vor 23 Jahren die Brennerei auf den Hof gebracht. Auch wenn er vor 14 Jahren verstorben ist, hat er damit  doch den Grundstein für unsere Destillate gelegt. Den Brennkessel habe ich nach ihm benannt: „Otto“. Am Anfang  destillierten mein Opa und mein Vater zusammen, später half ich immer mehr mit. So bin ich reingewachsen, habe  dann als Privatperson an der Uni Hohenheim ein Destillations-Seminar belegt, das in den Semesterferien angeboten wird.

Whisky produzieren Sie ebenfalls.
Seit vier Jahren machen wir Whisky, jährlich zwei, drei Fässer. Wie er tatsächlich schmecken wird, werden wir in  sechs, sieben Jahren sehen, wenn wir ihn öffnen.

Weingut, Destillerie, GINSTR, Whisky – fühlen Sie sich unausgelastet?
(lacht) Nein, gar nicht. Eigentlich bin ich ja noch Student. Es ist viel zu tun, keine Frage. Meine Arbeitsstunden zähle ich aber nicht. Es macht einfach Spaß. Man lernt Land und Leute kennen und ist selbstständig.

Wie kamen Sie eigentlich auf die Schnaps-Idee, Gin zu produzieren?
Alexander und ich haben uns 2014 auf unserem Weingut kennengelernt. Er interviewte für ein Stuttgarter Magazin  meinen Bruder, der zum „Jungwinzer des Jahres“ gewählt worden war. Er sah meinen Gin, fragte nach, wollte  probieren und so sind wir ins Gespräch gekommen. Er hat eine riesige Gin-Sammlung zu Hause.

Wie sind Ihre  Geschmacksknospen mittlerweile geeicht – nur auf Gin oder auch weiterhin auf Wein?
Geschmack kann man schulen und weiterentwickeln. Man muss halt bewusst durch die Welt laufen. Mit 14 wollte  ich einmal Koch werden, ich hatte schon immer eine Affinität zum Geschmack. Zudem bin ich  Prämierungsverkoster  beim Kleinbrennerverband Ost-Württemberg und kann meine Geschmackssensorik ständig weiterentwickeln.

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Wie viel GINSTR wird in der Region getrunken, wie viel wird exportiert?
Rund vierzig Prozent unserer Kunden kommen aus der Region, sechzig Prozent aus Deutschland und international.  Nach dem Double Gold Award in Hongkong ist der Exportanteil deutlich gestiegen.

Sie produzieren auch Special  Editions, zum Beispiel für den VfB. Schon eine neue Idee?
Die nächste Edition wird für Emiliano Insua vom VfB sein. Er hat mal auf Instagram gewitzelt, er wolle seinen  eigenen Gin. Wir sind darauf eingestiegen. Den Namen haben wir schon: GINSUA.

Wie sieht die Zukunft von GINSTR aus?
Sehr wachstumsorientiert. Wir werden mit China und anderen Ländern noch internationaler. Aber mein Bachelor- Studium werde ich deshalb nicht schmeißen. Ich bin eh fast fertig. Zu unserem zehnjährigen Jubiläum werden wir  ein Museum eröffnen, unter anderem mit den Zetteln, auf die wir unsere ersten Werbeideen kritzelten. Wir wollten  ja anfangs etwas mit König Wilhelm machen und mit der Wilhelma.

Sie haben vor zwei Jahren den Gründer-Slam der KSK Waiblingen gewonnen. Hat Ihnen der Preis geholfen?
Das war ganz toll. Zusammen mit einem Fachmann der Kreissparkasse Waiblingen konnte die Idee weiterentwickelt  werden und man bekam nach der Präsentation sehr viel Feedback.

Schlussfrage: Wie groß ist derzeit Ihre  Leidensfähigkeit in Sachen VfB?
(lacht) Ich sage mal so: Man ist es ja gewohnt. Der VfB hat immer mal seine Höhen und Tiefen. Ziel muss sein, die  Klasse zu halten. Aber ich bleibe Fan, egal in welcher Liga, und Partner des VfB, egal in welcher Liga.

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